Die Welt: Sportler soll im Kontrollfall schnell gefunden werden können

Die Sportler müssen für unangekündigte Kontrollen am Ende jedes Quartals für die kommenden drei Monate die Orte angeben, an denen sie übernachten und wo sie sich regelmäßig aufhalten – und zwar für jeden Tag. Sind sie dort einmal nicht anzutreffen, droht ihnen ein „Strike“. Drei davon innerhalb von zwölf Monaten können zu einer Sperre von bis zu zwei Jahren führen – ohne dass Doping nachgewiesen wurde. Datenschützer halten das System für intransparent.

Jetzt entwickelt Plass mit dem Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit das System „Paradise“ und verfolgt zwei Ziele: 1. Den Kontrollprozess zu vereinfachen 2. Die persönlichen Daten der Sportler zu schützen. „Wir wollen, dass der Sportler im Kontrollfall schnell gefunden werden kann. Ohne dass unverhältnismäßig viele Daten der Sportler von nicht autorisierten Parteien eingesehen werden können“, erläutert Plass. Er verstehe, dass die Dopingfälle in der Leichtathletik den Ruf nach mehr Kontrollen lauter werden lassen. „Aber für die Sportler bedeutet das massive Einschnitte in den Alltag. Man kann nicht sein komplettes Leben in einem Kalender abbilden.“

Plass und die Forscher haben eine spezielle Cloud entwickelt, eine Art Online-Speicher, in der die Daten gesichert werden. Sie berücksichtigen Sicherheits- und Datenschutzlinien. Das Konzept sieht vor, dass durch ein Trackingdevice, ein Ortungsgerät, die Kontrolleure die Aufenthaltsdaten des Sportlers bei Bedarf abrufen können. Sobald diese nicht mehr relevant sind, können sie wieder gelöscht werden.

Ob die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada künftig auf das innovative System setzen wird, ist unklar. Es gibt viele bürokratische Hürden. Plass und sein Team finden unabhängig davon, dass sich ihre Arbeit lohnt. Entwickeln und forschen für den Sport der Zukunft, für die Welt der Zukunft – das macht ihnen großen Spaß.

Den Beitrag über unser Forschungsprojekt PARADISE findet sich hier: Die Welt – 01.09.16