Datenschutz? Statement von Dr. Thilo Weichert

Das Doping-Bekämpfungssystem weltweit der WADA und auf deutscher Ebene der NADA ist aus Datenschutzsicht eigentlich nicht akzeptabel: Sportlerinnen und Sportler, die an internationalen Wettbewerben teilnehmen wollen, sind gezwungen, sich einer datenschutzwidrigen, teils menschenunwürdigen Prozedur zu unterwerfen. Ein zentraler Aspekt dieser Prozedur ist die Pflicht, über das System ADAMS der WADA dauernd die eigenen Aufenthaltsorte (die sog. Whereabouts) viele Wochen im Voraus offenzulegen, um für Doping-Kontrolleure unangemeldet jederzeit erreichbar zu sein.

Mit dem System eves werden die systematisch angelegten Datenschutzverstöße bei der NADA bzw. der WADA nicht beseitigt. Doch ist das System geeignet, das Whereabout-Verfahren flexibler und vor allem datenschutzfreundlicher zu gestalten. Gewährleistet wird zum einen, dass kein unüberschaubarer anonymer Kreis von Personen und Stellen in der Lage ist, den persönlichen Aufenthaltsort der Betroffenen auszuspionieren. Zugleich ermöglicht das Verfahren, wenn es von der WADA und der NADA akzeptiert wird, dass der Nachmeldedruck auf die Athletinnen und Athleten abgebaut wird, wodurch eine spontanere Lebensgestaltung möglich wird.

Ich wünsche mir, dass eves bis zur Praxisreife weiterentwickelt und dann global von der WADA, zumindest aber von der NADA angeboten wird. Bestehen bleibt unsere Forderung als Datenschützer, das gesamte Doping-Bekämpfungsverfahren auf datenschutzgerechte und verhältnismäßige Beine zu stellen.

Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein, Dezember 2014.